Aufbau eines Cashflow-Statements — Schritt für Schritt
Lernen Sie die drei Abschnitte kennen und wie Sie diese korrekt aus Ihren Geschäftsvorgängen ableiten.
Artikel lesenPraktische Ansätze zur Erstellung von Cashflow-Prognosen, damit Sie zukünftige Liquiditätsprobleme frühzeitig erkennen und Ihr Unternehmen finanzielle Stabilität bewahrt.
Ein Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das klingt paradox, ist aber Realität. Der Grund: Gewinn und verfügbare Liquidität sind zwei völlig verschiedene Dinge. Eine Cashflow-Prognose zeigt Ihnen, wie viel Geld wirklich in Ihre Kasse fließt — und wann Engpässe entstehen könnten.
Mit der richtigen Prognose-Methode erkennen Sie Liquiditätsprobleme Wochen oder Monate im Voraus. Das gibt Ihnen Zeit zu handeln: Kreditlinien zu sichern, Zahlungskonditionen anzupassen oder Investitionen zu verschieben. Ohne diese Vorausplanung tappen viele Unternehmen im Dunkeln.
In diesem Artikel stellen wir Ihnen bewährte Methoden vor, mit denen Sie realistische Prognosen erstellen — ob Sie Excel-Anfänger sind oder bereits mit komplexeren Tools arbeiten.
Die rollende Prognose ist besonders für kleinere bis mittlere Unternehmen praktisch. Sie erstellen jede Woche (oder jeden Monat) eine Vorschau für die nächsten 12 Wochen. Sobald Woche 1 vorbei ist, fügen Sie Woche 13 hinzu. Das Fenster rollt ständig nach vorne.
Vorteil: Sie bleiben immer nah am tatsächlichen Geschäftsverlauf. Unerwartete Großaufträge oder Zahlungsverzögerungen werden sofort in die nächste Prognose eingearbeitet. Nachteil: Sie brauchen dafür disziplinierte, regelmäßige Updates.
Hierbei erstellen Sie mehrere Szenarien: Best-Case, Normal-Case und Worst-Case. Im Best-Case zahlen alle Kunden pünktlich, Umsätze wachsen um 20%. Im Worst-Case verzögern sich Zahlungen, Ausfallraten steigen. Die Normal-Case-Prognose liegt dazwischen.
Diese Methode ist ideal für Bankengespräche und Investor-Pitches. Sie zeigt, dass Sie realistische Risiken kennen. Für die tägliche Liquiditätsplanung kann sie aber zu komplex werden, wenn Sie zu viele Szenarien durchspielen.
Sie modellieren jede Einnahmequelle und jede Ausgabenkategorie einzeln: Kundenzahlungen nach Kundengruppe, Gehälter, Miete, Steuervorauszahlungen, Kreditrückzahlungen. Das Bild wird sehr genau.
Nachteil: Aufwändig und fehleranfällig, wenn Daten manuell gepflegt werden. Vorteil: Sie sehen genau, wo das Geld hingeht und welche Hebel Sie drehen können, um Liquidität freizusetzen.
Ziehen Sie die letzten 12-24 Monate Ihrer Kontoauszüge heran. Kategorisieren Sie Zahlungsein- und -ausgänge nach Art: Kundenrechnungen, Lieferantenrechnungen, Gehälter, Steuern.
Wann zahlen Ihre Kunden durchschnittlich? Nach 7, 14 oder 30 Tagen? Welche Ausgaben sind variabel, welche fest? Diese Muster sind die Grundlage für realistische Prognosen.
Bauen Sie auf bekannte Aufträge, Pipeline und historische Trends auf. Seien Sie konservativ — unterschätzen Sie eher, als dass Sie zu optimistisch sind.
Alle festen Kosten (Miete, Gehälter) und bekannte variable Kosten (Material für geplante Aufträge). Nicht vergessen: Steuerzahlungen, Kreditraten, geplante Investitionen.
Jeder Monat verfeinern Sie die Prognose mit echten Daten. Abweichungen notieren — diese zeigen Ihnen, wo Ihre Annahmen korrigiert werden müssen.
Von einfach bis professionell — für jedes Budget gibt es eine passende Lösung:
Der Klassiker. Mit Vorlagen und einfachen Formeln erstellen Sie eine funktionale Prognose. Vorteil: kostenlos oder sehr günstig. Nachteil: Manuell, fehleranfällig bei großen Datenmengen, Zusammenarbeit ist umständlich.
Für: Anfänger, kleine TeamsSpezialisierte Cashflow-Tools importieren Bankdaten automatisch und erstellen Prognosen basierend auf echten Transaktionsmustern. Die Software lernt mit der Zeit. Vorteil: Automatisierung, höhere Genauigkeit. Nachteil: Monatliche Kosten.
Für: Wachstumsorientierte UnternehmenIntegrierte Finanz-Suites, die Rechnungen, Bestellungen und Zahlungen verbinden. Die Prognose ergibt sich aus Ihrem gesamten Geschäftsbetrieb. Vorteil: Zentrale Datenverwaltung, sehr präzise. Nachteil: Hohe Kosten, lange Implementierung.
Für: Größere OrganisationenCloud-basierte Plattformen für Finanzplanung. Sie verbinden Prognosen mit Budgets, Szenarien und historischen Daten. Eher für größere Finanzteams geeignet, aber Funktionalität ist beeindruckend.
Für: Mittlere bis große UnternehmenViele Gründer sind bei Umsatzprognosen zu optimistisch. Sie planen mit Aufträgen, die wahrscheinlich, aber nicht sicher sind. Realität: Manche Deals platzen, Kunden zahlen später. Lösung: Mit konservativen Zahlen starten, positive Überraschungen sind besser als böse Überraschungen.
Sie buchen eine Rechnung am 1. Januar, gehen aber davon aus, dass Sie das Geld am 5. Januar haben. Realität: Selbst mit Zahlungsziel 14 Tage zahlen viele Kunden nach 30 oder 45 Tagen. Tragen Sie realistische Verzögerungen ein, nicht die im Vertrag vereinbarten.
Steuerzahlungen, Versicherungsprämien, Kreditrückzahlungen — viele Ausgaben kommen nur monatlich oder jährlich. Wenn Sie diese übersehen, wird Ihre Prognose völlig falsch. Führen Sie ein Kalender-System ein, das diese Fixtermine markiert.
Verbinden Sie Ihre Bankkonten automatisch mit dem Prognose-Tool. Das spart Zeit und reduziert manuelle Fehler. Die meisten modernen Lösungen bieten Bankintegration an.
Am Ende jedes Monats schauen Sie sich an: Was habe ich vorhergesagt, was ist tatsächlich passiert? Die Abweichungen sind Ihr größtes Lernfeld. Daraus justieren Sie die nächste Prognose nach.
Erstellen Sie immer eine Normal-, Best- und Worst-Case-Variante. Das hilft bei Entscheidungen: Wenn selbst im Worst-Case die Liquidität reicht, können Sie investieren. Wenn nur im Best-Case, sollten Sie vorsichtig sein.
Ihre Buchhaltung kennt echte Zahlungsmuster von Lieferanten und Kunden. Ein regelmäßiger Austausch (monatlich oder vierteljährlich) macht Ihre Prognosen deutlich genauer.
Wenn Ihr Geschäft saisonal ist (viele Einzelhandelsbetriebe, Tourismusunternehmen), ist es entscheidend, dass Sie die starken und schwachen Monate richtig modellieren. Durchschnittswerte funktionieren nicht.
Eine gute Cashflow-Prognose ist wie ein Frühwarnsystem. Sie sehen Probleme kommen, bevor sie kritisch werden. Das macht den Unterschied zwischen kontrolliertem Wachstum und Krise aus.— Finanzplaner und Unternehmensberater
Sie brauchen keine perfekte Prognose — Sie brauchen eine realistische. Der beste Zeitpunkt zu beginnen ist jetzt. Selbst wenn Sie mit Excel und handgestrichenen Schätzungen starten: Das ist besser als gar nichts.
Wählen Sie eine der Methoden aus, die zu Ihrem Unternehmen passt. Sammeln Sie historische Daten. Erstellen Sie eine erste Prognose für die nächsten 3 Monate. Dann verfeinern Sie monatlich. Nach 3-6 Monaten werden Sie ein Gefühl dafür bekommen, wie genau Ihre Prognosen sind — und wo Sie nachjustieren müssen.
Die gute Nachricht: Mit jeder Prognose, die Sie erstellen, werden Sie besser. Ihre Intuition für Zahlungsflüsse schärft sich. Und eines Tages werden Sie Liquiditätsprobleme nicht mehr überraschen — weil Sie sie gesehen haben, bevor sie eintraten.
Die Informationen in diesem Artikel dienen zu Bildungszwecken und sind nicht als finanzielle Beratung oder Handlungsanweisung zu verstehen. Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Bedürfnisse und Rahmenbedingungen. Für spezifische Fragen zu Ihrer Situation konsultieren Sie einen Finanzberater oder Steuerberater. Die Genauigkeit von Cashflow-Prognosen hängt von vielen Faktoren ab, die sich ändern können.